Oft wird die Frage gestellt—warum Delaware? Warum nimmt dieser kleine Bundesstaat (der zweitkleinste Bundesstaat der USA) so eine wichtige Stellung in der Welt der Unternehmensgründungen ein? Auf diese Frage gibt es viele Antworten, die meisten davon kommen allerdings eher unerwartet. Zum Beispiel ist Delaware keine Steueroase, in Delaware werden keine Unternehmen abseits der öffentlichen Wahrnehmung und Überwachung eingetragen und Delaware ist meistens nicht die günstigste Lösung für Unternehmensgründer. Wir haben wesentlich mehr Gemeinsamkeiten mit dem Luxuskaufhaus Bergdorf Goodman oder dem Juwelier Tiffany gemeinsam als mit dem Billigladen "Dollar Store." Sie zahlen für Qualität und Service.

Delaware ist dabei weder "Management-freundlich" noch "Aktionärs-freundlich"; der Zweck ist die Bereitstellung einer optimalen Gesetzgebung zur Förderung eines ethisch verantwortungsbewussten und profitablen Geschäftsumfelds. Dies wird erreicht durch eine Balance aus der Erforderlichkeit der unternehmerischen Flexibilität und wirksamen Mitteln, um Unternehmer zur Verantwortung zu ziehen, damit diese Flexibilität im besten Interesse der Gesellschafter eingesetzt wird. Die Richter von Delaware sind unabhängig und unbeirrt durch Interessengruppen oder das wechselhafte politische Tagesgeschehen. Anders als in vielen anderen Bundesstaaten werden unternehmensrechtliche Fälle in Delaware nur von professionellen Richtern gehört und unterliegen nicht dem Urteil von Geschworenen.

Seit dem frühen 20. Jahrhundert ist Delaware als Bundesstaat die erste Adresse für Unternehmensgründer gewesen. Heute sind in Delaware mehr als eine Million juristische Personen ansässig. Noch wichtiger als die beeindruckende Anzahl der in Delaware gegründeten Unternehmen ist die Anzahl der großen und wichtigen Unternehmen, deren Aktien an den großen Wertpapierbörsen notiert und die in Delaware registriert sind. Tatsächlich sind mehr als 60% aller Fortune-500-Unternehmen in Delaware registriert. Dabei sind die Vorzüge einer Eintragung in Delaware nicht nur U.S. Unternehmen vorbehalten; Unternehmen aus der ganzen Welt können in den Genuss dieser Vorzüge kommen. [Siehe Über die Grenzen hinaus: Delawares Vorzüge für internationale Unternehmen.]

Für die herausragende Position von Delaware im Zusammenhang mit Unternehmensgründungen sprechen mehrere Faktoren:

Zunächst das Recht: Das Allgemeine Aktiengesetz von Delaware (Delaware General Corporation Law; "DGCL"; die Delaware Corporation ist eine in Delaware eingetragene Aktiengesellschaft) ist die Basis des Unternehmensrechts von Delaware. [Siehe Das Gesellschaftsrecht von Delaware: Solide, jedoch nicht einschränkend.] Das DCGL bietet Berechenbarkeit und Stabilität; es wird von Gesellschaftsrechtsexperten gehütet und vor dem Einfluss von Interessengruppen geschützt. Die legislativen Organe des Staates Delaware überprüfen das DCGL jedes Jahr, um zu gewährleisten, dass es den aktuellen Anforderungen gerecht wird.

Gleichzeitig ist das DGCL nicht einschränkend, es ist kein ausuferndes, von Vorschriften überfrachtetes "Unternehmensgesetz" wie es in vielen Ländern existiert. Das DGCL gibt statt dessen einige wichtige Anforderungen vor, um Anleger zu schützen und verleiht den Aktiengesellschaften ansonsten Gestaltungsspielraum bei der Ordnung der Geschäfte. Die Grundsätze des DCGL wurden in Delaware auch auf die Regelungen für andere Rechtsformen übertragen. [Siehe Delaware: Alternativen zur Aktiengesellschaft.]

Zweitens die Gerichte: Genauso wichtig wie das Gesellschaftsrecht selbst sind die Gerichte von denen es ausgelegt wird. Delaware hat sich für sein Justizsystem weltweit einen Namen gemacht, genauso wie für seine fachlich kompetenten und unparteiischen Richter, die in den unternehmensrechtlichen Fällen entscheiden. [Siehe Streitführung vor dem Delaware Court of Chancery und dem Delaware Supreme Court.] Der Delaware Court of Chancery ist ein spezialisiertes Billigkeitsgericht (Court of Equity) mit einer besonderen Zuständigkeit für gesellschaftsrechtliche Streitfälle. Das Gericht arbeitet auf flexible und effektive Weise, ohne Jury, besetzt mit fünf Fachjuristen als Richtern, die im Rahmen eines parteiübergreifenden, leistungsbezogenen Auswahlprozesses ermittelt werden. Angefochtene Entscheidungen des Court of Chancery werden direkt an den Delaware Supreme Court verwiesen, der in der Gerichtsbarkeit des Staates Delaware das letzte Wort hat. Der Supreme Court ist mit fünf Richtern besetzt, von denen jeder einzelne im Unternehmensrecht des Staates Delaware erhebliche Erfahrungswerte aufweisen kann. Darüber hinaus bieten die Gerichte des Staates Delaware auch diverse Optionen zur Streitbeilegung ohne Gerichtsverfahren. [Siehe Alternative Streitbeilegungsverfahren im Staat Delaware.]

Drittens das Fallrecht: Der Court of Chancery und der Delaware Supreme Court stehen auch in der Tradition der Herausgabe von begründeten schriftlichen Gutachten zur Stützung ihrer Entscheidungen, wodurch im Laufe vieler Jahrzehnte ein sehr umfangreiches Werk an Präzedenzfällen zusammengetragen wurde. Richter und nicht Geschworene fällen die Entscheidungen in allen unternehmensrechtlichen Fällen und müssen ihre Entscheidungen begründen. Das entstandene Fallrecht bietet den Gesellschaften und ihren Beratern eine detaillierte und inhaltlich aussagekräftige Richtschnur.

Eines der wichtigsten Konzepte des Delaware Fallrechts ist die sogenannte Business Judgment Rule, hinter welcher die richterliche Erkenntnis steht, dass Richter mit juristischer Fachausbildung die von Vorständen in gutem Glauben und mit der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt getroffenen Geschäftsentscheidungen nicht hinterfragen sollten, selbst wenn diese Entscheidungen negative Auswirkungen haben. Gemeinsam mit der Business Judgment Rule vermittelt das Fallrecht auch Richtlinien für Vorstände bei der Ausübung ihrer Treue- und Sorgfaltspflichten. [Siehe Entscheidungen in Delaware: Achtung der Entscheidungen von Vorständen, die im Rahmen ihrer Treue– und Sorgfaltspflichten handeln.]

Viertens das Rechtswesen: Zusätzlich zu der sachverständigen Gerichtsbarkeit gibt es in Delaware eine große Auswahl an Rechtsanwälten mit gesellschaftsrechtlicher Expertise. Das Recht und das Fallrecht des Staates Delaware bilden eine solide Wissensbasis für die in Delaware praktizierenden Transaktions- und Prozessanwälte. Diese Fachleute unterstützen auch den Gesetzgeber des Staates durch die fortlaufende Überprüfung des Unternehmensrechts und reichen jedes Jahr Änderungsempfehlungen ein, um das Recht des Staats Delaware auf dem neuesten Stand zu halten. [Siehe Das Gesellschaftsrecht von Delaware: Solide, jedoch nicht einschränkend.] Ganz unabhängig davon wo ein in Delaware gegründetes Unternehmen seinen Gesellschaftssitz hat, man findet in Delaware Rechtsbeistände die dabei helfen können, sich im Recht des Staates Delaware zurechtzufinden.

Fünftens, der Delaware Secretary of State: Die Division of Corporations, eine Abteilung des Amts des Delaware Secretary of State, wurde eingerichtet, um Unternehmen und ihren Beratern auf schnelle und effiziente Weise Dienstleistungen zu erbringen. Der Staat Delaware bezieht einen erheblichen Anteil seines Umsatzes aus Unternehmensgründungen und nimmt diese Rolle daher sehr ernst. Die Mitarbeiter der Division of Corporations sehen sich selbst als Dienstleister; darüber hinaus erfüllt die Abteilung weltweit gesetzte Qualitätsstandards, was sich z.B. an der ISO 9001 Zertifizierung zeigt.

Die Division of Corporations in Delaware hat 15 Stunden am Tag geöffnet, um die Eingaben aus der ganzen Welt zu bearbeiten. Die Abteilung bietet spezialisierte und beschleunigte Dienste (darunter 1-h, 2-h und 24-h Dienstleistungen) für dringende Fälle und solche bei denen Gefahr im Verzug besteht. [Siehe Gründung einer Aktiengesellschaft in Delaware.] Die Division of Corporations ist gemeinsam mit den Rechtsanwälten des Staates Delaware und erfahrenen Dienstleistern, wie z.B. den in Delaware eingetragenen Bevollmächtigten (Registered Agents), in der Lage, nahezu jede Situation zu meistern.